PLACEBO – Battle For The Sun

Man konnte sich nicht so ganz sicher sein, was sich PLACEBO als nächstes ausdenken würden. Das letzte Album “Meds” (2006) bot zwar mit dem Titeltrack einen der wohl grandiosesten Songs, die die Band je geschrieben haben, aber leider nicht viel mehr. Einige freuten sich über die basischere Ausrichtung nach dem recht elektronischen Wunderdreher “Sleeping With Ghosts” (2003), doch insgesamt konnte das Album nichts gegen seine vier Vorgänger ausrichten. Dann der Rausschmiss/Ausstieg vom langjährigen Drummer Steve Hewitt und schon standen PLACEBO am Scheideweg. Und siehe da, sie haben alles richtig gemacht: Man befreite sich aus den Fängen des Majordeals, holte für Steve Hewitt den blutjungen, motivierten Steve Forrest und spielte mit “Battle For The Sun” ein echt starkes Teil ein.

Den einzigen Vorwurf, den man “Battle For The Sun” vordergründig machen könnte, ist, dass das Werk ein typisches PLACEBO-Werk ist, das auf Nummer sicher geht. Doch je mehr man in das Album eintaucht merkt man, dass sich die Band durchaus Gedanken gemacht hat und der Teufel im Detail steckt (zufälligerweise heißt einer der wunderbarsten Songs auf dem Album “Devil In The Details”). Ein Song wie “Ashtray Heart” ist zwar so unglaublich vorsehbar PLACEBO, dass man sich ernsthaft wundert, warum dieser Track erst auf dem sechsten Album der Band steht, trotzdem gibt es auch Songs wie z.b. die erste Single “For What It’s Worth” oder das orchestergetriebene “Happy You’re Gone”, die zeigen, dass das multikulturelle Trio (Sänger/Gitarrist Brain Molko ist trotz seines Geburtsortes Brüssel halb Schotte, halb Amerikaner, Bassist Stefan Olsdal Schwede und der neue Drummer Amerikaner) eine Entwicklung durchgemacht hat, da diese Tracks unmöglich auf früheren Alben hätten stehen könnten. Die elektronischen Elemente sind wieder ein wenig präsenter, aber insgesamt sehr songdienlich eingesetzt (“The Never-Ending Why”). Auffallend ist außerdem, dass das Drumming jetzt präsenter als früher ist, ohne jemals wirklich im Vordergrund zu stehen. Ansonsten bietet “Battle For The Sun” mit großartigen Stücken wie dem Titeltrack, das bereits angesprochene “Devil In The Details”, “Bright Lights” oder dem tollen, balladesken Rausschmeißer “Kings Of Medicine” alles, was man an PLACEBO liebt oder eben hasst. Emotionale Rocksongs mit meist latent melancholischer Schlagseite, wie nur diese Band sie schreiben und performen kann.

Das Album vereint somit geschickt die Simplizität von “Placebo” (1996), die Emotionen von “Without You I’m Nothing” (1998 – ein Album, das PLACEBO in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr toppen können), die Abgebrühtheit von “Black Market Music” (2000), die Experimentierfreudigkeit von “Sleeping With Ghosts” und ist somit kein per se bahnbrechendes Werk, aber ein cooler Output, der PLACEBO wieder zurück in die Spur bringt, damit vielleicht irgendwann weitere Großtaten folgen können.

8 | 10

PLACEBO – Battle For The Sun
Dreambrother Ltd.
2009

01. Kitty Litter [3:47]
02. Ashtray Heart [3:31]
03. Battle For The Sun [5:32]
04. For What It’s Worth [2:47]
05. Devil In The Details [4:27]
06. Bright Lights [3:23]
07. Speak In Tongues [4:05]
08. The Never-Ending Why [3:23]
09. Julien [4:42]
10. Happy You’re Gone [3:50]
11. Breathe Underwater [3:43]
12. Come Undone [4:36]
13. Kings Of Medicine [4:13]


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